Denkt man an Sinnbilder, an Kurzfassungen von Lebensgefühl, Zustandsbeschreibungen wie sie von Künstlern geliefert werden können, dann hat man mit Muntean/Rosenblum, Marco Lulic und Carola Dertnig die vielleicht griffigsten Positionen dieser Ausstellung.

Nimmt man noch den Katalogeinband hinzu, mit den Künstlern (Menschen) als Nummern definiert, ist der Rahmen abgesteckt. Living and working in Vienna präsentiert sich bei näherer Betrachtung als ein Mappenbild an Verortungsversuchen unterschiedlicher Art.

Es mag ein Zeichen der Zeit sein, dass Wiener Künstler nicht mehr so präsentiert werden wie früher in der Secession, als es sich tatsächlich um Newcomer handelte, und auch nicht so wie es die Stadt Wien mit ihren Sammlungspräsentationen tat, wo es um Künstler ging die ihren Lebensmittelpunkt in Wien hatten (egal wo sie geboren worden waren) Living and working in Vienna hat weit eher etwas mit Kontakten zu tun, mit dem Geburtsdatum und mit einer Haltung die als "poltisch" verkauft wird, oft aber Erklärungsmodell ist, welches man nur durch den Katalog erfährt. Wirklich spannend sind jene Arbeiten, die rein durch ihren Anblick etwas auslösen, das durchaus in die Richtung geht, die der Katalog dann vielleicht bestätigt, erweitert. Muntean/Rosenblum schaffen seit Jahren ein Bild der jungen Generation, das mit sparsamen Mitteln sehr viel sagt, neuerdings auch ohne Worte, ohne kurze Textbegleitung neuerdings als Film. Die Ortlosigkeit als Ort der Gleichaltrige verbindet, das Design dem sie sich unhinterfragt unterwerfen, eine Anzahl von Jahren, bevor die einen in die Geldmacherei eintreten, andere in die Spiritualität und der Rest weiterhin ziellos in der Umlaufbahn bleibt. Es ist aber ein Zeichen künstlerischer Qualität, wenn der permanent rollende Verkehr im Hintergrund im Zusammenhang mit den statisch zu Skulpturen gefrorenen Menschengruppen auf einem leeren Parkplatz der selbst vorbeizieht, einen Teil der Jetztzeit erklären kann. Diese Art Zeit zu haben ohne Perspektiven, die sogar den Tod als mögliche Variante einkalkuliert, ist aber sicher nicht geeignet politische Verhältnisse zu verändern. Bei Marco Lulic ist das Objekt, welches nur Teil seiner Arbeit ist und Teil eines historischen Zitates, ein Teil das ob gewollt oder nicht, selbstständig leben und aussagen kann. Wenn man seine Arbeit so sehen will, wie er sie interpretiert hat, muss man den Katalog studieren in dem er Erklärungsmodelle für seine künstlerischen Intentionen anbietet, die auch wieder für sich stehen könnten - vielleicht als Text.

Bei Carola Dertnig´s Projektionen im Stiegenhaus der Kunsthalle Wien ist sofort klar, dass es sich um eine Geschichtskorrektur handelt, welche die handelnden Personen, Gruppen, Lokalitäten ins rechte Licht gerückt wissen will, die meist nicht mit Gedenktafeln bedacht werden. Der Katalog zeigt dass die Schattenseiten Gewürdigter ebenfalls einmal beleuchtet werden sollten. Es gab eben Männer die ein Nahverhältnis zu den Nazis hatten, die Kreisky an Bord nahm, daher auch die Würdigungstafeln an Gemeindebauten - nur was hätte er auch tun sollen, wenn es so viele gab, die den Mut nicht hatten zu trotzen, es so viele gab die der Faszination erlagen - er hat sie später zum Wiederaufbau eingespannt, ein Auge zugedrückt obwohl er Jude war. Letztlich war aber die Strategie der zweiten Chance erfolgreich. Wenn Künstlerinnen wie Carola Dertnig heute Mut beweisen, ist das auch nicht gerade die Regel, für manche Art von Politik braucht man den nicht.

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