| WELTERBE UND ZEITGENÖSSISCHE
ARCHITEKTUR - Konferenz in Wien
Nicht nur in Wien entzünden sich die
Diskussionen immer wieder am Hochhaus im Kontext gewachsener
Stadtstrukturen. Die Konferenz bot nicht nur Erklärungsmodelle warum das
so ist und warum Ensembles nach wie vor schützenswert sind, es gab auch
Intentionen zu einer Modifizierung von Weltkulturerbe, ja zu Weltkultur
überhaupt. Der erste Ansatz dazu war ja schon durch die Wiener
Positionierung gegeben, die historische qualitative Bausubstanz und
aktuelle Baukultur als im gleichen Maße förderungswürdige Intention
festgeschrieben haben wollte. Wien hat aus der drohenden Aberkennung des
doch wünschenswerten Welterbestatus gelernt. Der nicht nur zu hohe,
sondern vor allem phantasielose Komplex Bahnhof Wien Mitte wurde über
eine schnelle Ausschreibung und deren Gewinner, das Österreichische
Architektenpaar Henke/Schreieck zum akzeptablen Projekt. Die
nachvollziehbaren Hintergründe für die Hochhausfeindlichkeit der
Stadtschützer besteht in einem vermehrten Verkehrsaufkommen, den Kosten
durch Infrastrukturen die dadurch provoziert werden, dem mangelnden
Abstand von anderen Ensembles. Es rechnet sich zwar für die Hochhausbauer
die Aufteilung des hohen Grundstückpreises auf viele Stockwerke, für die
Stadt können aber allerlei Nachteile entstehen. Letztlich werden aber oft
spekulative Ideen in den Raum gesetzt, die nicht mehr halten. Die
angeblich so benötigten Bürotürme stehen halb leer und werden in Zukunft
noch leerer werden, weil gerade Büroarbeit und Ort durch neue
Technologien keine zwingende Einheit mehr darstellen. Anschaulich wurde
auch vor allem von Joseph Rykwert vor Augen geführt, dass keinerlei
Platzersparnis durch Hochhäuser erfolgt, wenn man den nötigen Abstand
hält um Licht und Luft im nötigen Ausmaß zuzulassen. Auf der Webseite
eines anderen Redners, Alain Bertaud, kann man einen Vergleich studieren,
wie Städte mit Platz umgehen, wie viele Menschen auf welchem Raum
zusammengepackt werden. Allerdings wird man in Zukunft unter Geisterstadt
nicht nur abends nicht genutzte Innenstädte oder randständige
Hochhausquartiere zu verstehen haben, es können auch von der Bevölkerung
nicht genutzte Fremdenverkehrsinseln sein. Es empfiehlt sich also für die
Zukunft, vor allem den qualitativen Aspekt im Auge zu behalten und nicht
einfach Denkmalschützerei zu betreiben. Auffällig ist vor allem eine
Überbewertung von Kirchen im Zusammenhang mit Fremdenverkehrswerbung.
Wer fährt heute noch wegen dem Stephansdom nach Wien? Warum stört das
Messequartier am anderen Ufer in Köln den Blick auf den Dom? Wenn wir schon von Kunst
reden, dann hat der Schokoladekönig mit seiner Kunstsammlerei weit eher
Köln geprägt als die Kirche! Wenn eine Kölner Bürgerinitiative mehr
Sorgfaltspflicht einfordert, dann ist wohl auch das charmante Quartier am
Rheinufer gemeint und eine Verteidigung von Lebensinteressen gegenüber
Wirtschaftsinteressen. Den denkmalschützerischen Intentionen wie sie
Manfred Wehdorns Publikation zeigt hatte Wiens Bürgermeister den Hinweis hinzugefügt, dass Wien (auch im Kulturerbegebiet) lebt und randvoll mit aktueller Kultur ist - der 1. Bezirk ist auch abends wahrlich keine Geisterstadt, sondern weit eher durch "geistige" Getränke beflügelter Kommunikationsbereich. Wiens hässlichste Hochhäuser sind allerdings die Fernheizwerke, sie trüben die Aussicht bei den bezaubernden Spaziergängen zum Kahlenberg und Leopoldsberg, denn Wien hat ja auch Umgebung außen, und innen Donauinsel, Lobau. Wie man alt und neu auf unsagbar schöne Weise verbindet, zeigte uns der Architekt Rafael Moneo in seinem Vortrag, wie man Weltspitze-Architekt hin oder her durch lokale Matadore der Presse und Verwaltung daran gehindert werden kann den gewonnenen Wettbewerb auch in die Tat umzusetzen, zeigte Arata Isozaki in seinem humorvollen Vortrag. Dass Frauen nicht dazu da sind um Content vorzutragen, sondern allenfalls zu moderieren zeigte uns dieser Kongress - das könnte auch einer der Gründe dafür sein, dass die phallische Aufzeigerei (Hochhausübertrumpfungen) so resistent ist gegen jegliches vernünftige Argument, wie z.B. ihr braucht doch keine Hochhäuser, ihr habt ja Platz. <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<< |